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Warum Seide in Wollgarn für Handarbeit funktional überlegen ist

Die Zusammensetzung eines Garns entscheidet nicht nur über Haptik, sondern auch über Wärmeleistung, Feuchtigkeitsmanagement und mechanische Stabilität. Dabei ist entscheidend: nicht nur der Anteil der Wolle, sondern das Verhältnis der einzelnen Fasern.

1. Dominante Wolle: die Basis für thermische Funktion

Bei einem Wollanteil über ca. 50 % bestimmt die Wolle die thermischen Eigenschaften des Materials:

  • sie bildet die Hauptstruktur der Lufteinschlüsse,
  • gewährleistet Thermoregulation,
  • schafft ein Mikroklima zwischen Haut und Textil.

Die Wirkung zusätzlicher Fasern hängt jedoch stark von deren Art und Anteil ab.

Motki von Wollgarn mit Seidenanteil

2. Wolle + Seide + Synthetik: funktionaler Gleichgewichtszustand

Bei Wollanteilen von 50–65 %, einer Seidenzugabe von 10–25 % und Synthetikanteilen von 20–40 % entsteht ein funktional optimiertes Garn.

Mikroskopische Aufnahme von Seidenfasern

Mikrostukturelle Wirkung

  • Seide stabilisiert die dreidimensionale Struktur der Wolle,
  • reduziert unkontrolliertes Verfilzen,
  • unterstützt den Erhalt des Luftvolumens im Gewebe.

Im Gegensatz zu synthetischen Fasern zerstört Seide die Struktur der Wolle nicht, sondern integriert sich funktional.

Ergebnis: Wärme bleibt länger stabil und gleichmäßig.


3. Vergleich: Wolle + Baumwolle

Bei Wollanteilen über 50 % und Zugabe von Baumwolle in einem Bereich von 10–30 % verändert sich die Struktur anders:

  • Baumwolle ist kurzfaserig und geradlinig,
  • hochhydrophil, nimmt Feuchtigkeit stark auf,
  • stört die dreidimensionale Struktur der Wolle.

Konsequenz: Lufteinschlüsse reduzieren sich, Wärmeeffizienz sinkt.

4. Vergleich: Wolle + Synthetik

Eine erhöhte Synthetikzugabe von 35–50 % bei 50–60 % Wolle:

  • stabilisiert mechanisch,
  • erhöht Abriebfestigkeit,
  • führt aber zu einer dichteren, weniger luftigen Struktur.

Konsequenz: Wärme bleibt weniger konstant, Thermoregulation ist eingeschränkt.

5. Abhängigkeit vom Mischungsverhältnis

Der Effekt von Seide ist nicht linear:

  • bei sehr hohem Wollanteil (~70 %) unterstützt Seide vor allem Weichheit und Elastizität, Einfluss auf Wärme ist geringer,
  • bei mittlerem Wollanteil (~50–60 %) entfaltet Seide die maximale strukturelle Wirkung,
  • bei geringem Wollanteil (<40 %) kann Seide die thermische Funktion der Wolle nicht kompensieren.

Seide wirkt also als Strukturmodifikator, nicht nur als „Verstärker der Wolle“.

6. Mechanische Stabilität und Haltbarkeit

In Garnen mit dominanter Wolle (>50 %) und moderaten Anteilen von Seide und Synthetik:

  • Seide reduziert die Reibung zwischen Wollfasern,
  • minimiert Verfilzen und Pilling,
  • erhöht Flexibilität des Gewebes,
  • Synthetik sorgt für Abriebfestigkeit und Formstabilität.

Ergebnis:
Das fertige Produkt behält Form, Volumen und Wärmeleistung länger.

Praktische Empfehlung beim Kauf

Für handgestrickte Produkte empfiehlt sich Garn, bei dem Wolle den Hauptanteil bildet und durch eine moderate Zugabe von Seide sowie funktionale Synthetikanteile ergänzt wird.

Dieses Verhältnis sorgt dafür, dass die Socken oder Pullover:

  • Wärme zuverlässig speichern,
  • Feuchtigkeit besser regulieren,
  • langlebig und formstabil bleiben, ihre strukturelle Integrität auch bei längerer Nutzung erhalten.
Pullover und Socken aus Wollgarn mit Seidenanteil

Wie wählt man wirklich warme Socken aus? Mehr dazu in unserem Artikel Die Physik warmer Füße.

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